Das Unperfekthaus in Essen

Kreativer Stahlbau für prämierten Kunstwanderweg

Atlas Ward Stahlkonstruktion Fassadengalerie am Unperfekthaus
Fassadengalerie

Essen/Hünxe-Drevenack, 06.07.10  – Im Stil amerikanischer Feuertreppen führt sie an der Gebäudevorderseite vor vielen Fenstern hinunter: die im Juni eröffnete Fassadengalerie des „Unperfekthauses“ in Essen an der Friedrich-Ebert-Straße, gegenüber dem Einkaufszentrum am Limbecker Platz. Die auffällige Stahlkonstruktion, geliefert von Atlas Ward, einem der weltweit führenden Stahlhallenhersteller, lädt ausdrücklich zur Begehung ihrer begrünten Balkone ein.

Als „vertikaler Kunstwanderweg“ direkt über der Essener Fußgängerzone bietet die Galerie Besuchern über fünf Etagen hinweg Einblick in die Ateliers und das Schaffen von Malern, Erfindern oder Musikern und öffnet das Haus damit nach außen – ganz im Sinne des Gesamtvorhabens: Das Unperfekthaus wurde gegründet als unkonventionelle Plattform und Begegnungsstätte zur Förderung kreativer Projekte samt Austausch darüber (siehe Infobox).

Sonnensegel aus Streckmetall

So individuell wie das ganze Vorhaben ist auch die Ausführung der Galerie: Mit mehreren Treppen, 2,5 Meter breiten Gehflächen, 25 Metern Länge und knapp 20 Metern Höhe ruht sie freitragend auf Kragarmen, befestigt an einer Spezialkonstruktion aus sieben senkrechten Stützen. Diese wurden nur in den Kellerwänden verankert und direkt an der Fassade postiert, um das Gebäude möglichst wenig zu belasten und um städtische Auflagen zu erfüllen: Keine Stütze durfte als Stellfläche den Gehweg darunter nutzen. Die Geländerverblendungen der Galerie sind aus Streckmetall, ebenso wie die drei gelben Sonnensegel auf der obersten Etage mit Zugang zur Dachterrasse. Diese dreieckigen, pulverbeschichteten Gitterkonstruktionen wurden aufgehängt in speziell angefertigten Stahlfedern, die das Schwingen der Segel bei Wind auffangen.

Eine besondere Herausforderung für die Ausrichtung der Stützkonstruktion war das in sich schief gebaute Bestandsgebäude mit Stahlbetonskelett, ein ehemaliges Kloster. Dessen Frontfassade bot vor dem großflächigen Einbau von Fenstern keine ebenen Flächen und geraden Linien, sondern zeigt wie eine Landschaft topografische Erhebungen und Einbuchtungen mit Toleranzen von bis zu 15 Zentimetern. Unerwartete Tüftelei verlangte auch der Umgang mit der alten Bausubstanz, die zum Teil nicht den vorliegenden Plänen entsprach.

„Trotz aller baulichen Knacknüsse ist es der ausführenden Bauunternehmung Rainer Alt gemeinsam mit Atlas Ward gelungen, die Fassadengalerie innerhalb eines sehr engen Zeitrahmens in einer Bauzeit von fünf Wochen zu montieren“, so Reinhard Wiesemann, Auftraggeber und Eigentümer des Unperfekthauses. Für Atlas Ward ist das Projekt ein gutes Beispiel dafür, wie kreativ Stahlbau sein kann: „Wir durften hierbei Ideen und Kompetenzen von Statik, Konstruktion und Material-Know-how bis zur Umsetzung einbringen“, resümiert Rolf Schönenberg, Geschäftsführer in Hünxe-Drevenack. Hinter dem Projekt steht auch das Land Nordrhein-Westfalen: Die Fassadengalerie ist Sieger im Landeswettbewerb „Standort Innenstadt“, der die besten Ideen in den Innenstädten des Ruhrgebiets auszeichnete.

Dieser Artikel ist in folgenden Fachzeitschriften erschienen:

  • Kran- und Hebetechnik Juni 2010
  • BauMagazin-Sonderausgabe Stahl-/Metallbau Nr.1 Juli 2010
  • Allgemeine Bauzeitung Nr. 47 - 26. November 2010
  • Stahlmarkt 12.2010

Infobox:

Das Unperfekthaus in Essen
Hinter den Mauern eines ehemaligen Franziskanerklosters lebt ein in Deutschland wohl einmaliges Projekt: Das 2004 gegründete „Unperfekthaus“ in der Innenstadt Essens stellt Künstlern, Erfindern oder Existenzgründern fast kostenlos Raum für die Entwicklung kreativer Projekte zur Verfügung. Auf fünf Etagen wurden Werkstätten, Proberäume, Büros, Bühnen und Technik auch für Veranstaltungen sowie Räume für Business-Seminare und Besprechungen geschaffen – ein rund 4.000 Quadratmeter großes Künstlerdorf, das nicht nur schöpferischer Treffpunkt sein, sondern auch geschäftliche Kontakte anbahnen soll. Das experimentelle Flair, regelmäßige Events sowie ein Restaurant und ein Hotel locken inzwischen jedes Jahr rund 40.000 Besucher in den originellen Ideenmarkt, der den deutschen Kulturpreis 2007 sowie weitere Auszeichnungen erhielt.


www.unperfekthaus.de

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